Sonderausstellung 2011

Zum frommen Andenken

Leidhelgeli / Sterbebildchen in der Sammlung Dr. Edmund Müller

Konzept: Beat Gugger
Wissenschaftliche Beratung: Dominik Wunderlin
Gestaltung: Viktor Stampfli, Winikon

"Zum frommen Andenken" – so steht es häufig, vor allem in früherer Zeit, auf den Leidhelgeli, die jeweils nach einem Todesfall von der Trauerfamilie verteilt werden. Diese Sterbe-, Toten- oder Trauerbildchen – der Name variiert je nach Region – sollten die Empfänger zum Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen anhalten. Daher finden sich auf den älteren Leidhelgeli neben religiösen Bildern auch Fürbitt- und Ablassgebete. Im Laufe der Jahrzehnte erfuhr dieses Brauchrequisit eine starke Wandlung: Die Porträts der Verstorbenen wurden allmählich grösser, und die religiöse Dimension trat immer mehr in den Hintergrund. Heute haben die Bildchen in erster Linie Erinnerungscharakter, das Andenken an die verstorbene Person steht im Vordergrund und nicht mehr die Bitte um ihr Seelenheil.

Unsere Leidhelgeli-Sammlung reicht zurück bis in die Wirkungszeit von Dr. Josef Dolder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – damals ist der Brauch in der Schweiz aufgekommen – und zeigt die ganze Entwicklung bis 1976, als Edmund Müller jun., der letzte Arzt des Dolderhauses, selber verstarb.
Die drei Ärzte im Dolderhaus haben in über hundert Jahren unzählige Menschen aus der Region um Beromünster in den Tod begleitet. Als Dank für ihre Anteilnahme bei einem Todesfall erhielten sie jeweils ein Leidhelgeli. Ãœber die Jahrzehnte sind so über 1’200 dieser Bildchen ins Haus zum Dolder gekommen, gleichsam als «Begleitobjekte» zum Leben der drei Ärzte. Sie widerspiegeln so den weit verzweigten Bekanntenkreis der Arztfamilie. Obwohl man die Leidhelgeli aus Anlass eines Todesfalls erhalten hat, sind darauf die Leute abgebildet, mit denen die Familie in Beziehung gestanden ist, mit denen sie im Leben verbunden war. Dieses Beziehungsnetz wird in der Ausstellung in einem eindrücklichen Bild dargestellt.

Die Ausstellung dokumentiert auch die Herstellung der Leidbildchen und wirft einen Blick auf die drei Ärzte im Haus zum Dolder. Sie wird zudem ergänzt mit Memento-mori-Objekten aus der Sammlung, die an die Endlichkeit des Lebens erinnern und zeigen, wie präsent früher der Tod im Leben der Menschen war.

Liste der ausgestellten Leidhelgeli >>

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Im Portraitarchiv der Zentralschweizerischen Gesellschaft für Familienforschung
finden Sie Bilder zahlreicher verstorbener Persönlichkeiten.

 

Der Basler Totentanz, Terrakotta
Anton Sohn, Zizenhausen, nach 1822
Der Basler Totentanz, Terrakotta
Anton Sohn, Zizenhausen, nach 1822
Einblattdruck: Stundenweiser von der Geburt bis zum Tod
Zug, um 1800
Holzsärgli: darin halbverwester Toter aus Wachs
Memento mori: Der Tod mit Sense, Stundenglas und zerbrochener Kerze
Hinterglasgemälde, um 1820
Schiffmann Xaver, 1836-1868
Studhalter-Wüst Gertrud, 1827-1895
Jost Jakob, 1851-1900
Albisser Josef, 1863-1906
Willimann-Hodel Josepha, 1829-1918
Bürgi Max, 1899-1918
Zeier Joseph, 1852-1918
Stocker Hansli, 1915-1919
Huber-Muther Louise, 1863-1925
Herzog-Jost Marie, 1855-1931
Tschiri-Tschopp Anton und Marie, 1898/1905-1934
Kronenberg Ignaz, 1859-1937
Hofer Fridolin, 1861-1940
Müller-Dolder Edmund, 1870-1945
Troxler Max, 1878-1953
Kopp-Bühler Marie, 1881-1953
Egli-Meyer Marie, 1888-1953
Schmid-Roth Hanna, 1904-1960
Kopp Josef Vital, 1906-1966
Müller Edmund jun., 1898-1976