Die «Chronik von Beromünster», 1914-1945
eine kulturhistorisch bedeutende Quelle für das Zeitalter der Weltkriege

Im Haus zum Dolder in Beromünster verfasste der Landarzt Dr. Edmund Müller-Dolder von 1914 bis 1945 eine «Chronik von Beromünster». Das handschriftliche Werk umfasst 43 dicke Bände.

Der Chronikschreiber

Der volksverbundene, kulturhistorisch interessierte Landarzt Dr. Edmund Müller-Dolder (1870-1945) beginnt am 1. Mai 1914 mit den handschriftlichen Eintragungen in seine «Chronik von Beromünster», die er gewissenhaft und konsequent bis zu seinem Tod am 12. Juni 1945 fortführt. Als wacher und kritischer Zeitgenosse verfolgt er das gesellschaftliche und kulturelle Geschehen in Beromünster und im weiteren Umkreis. Eingeklebte Zeitungsausschnitte, Konzert- und Unterhaltungsprogramme der örtlichen Vereine, behördliche Erlasse und Verordnungen und Bulletins verschiedener Tageszeitungen ergänzen die handschriftlichen Notizen. Bis zu seinem Tod wurden es 43 dicke Bände, ein respektables Werk von zweieinhalb Laufmetern mit einem Umfang von ca. 12‘000 Seiten.
Lebenslauf von Edmund Müler-Dolder

Die kulturhistorische Bedeutung der Chronik

Die Aufzeichnungen von Edmund Müller-Dolder haben einen unschätzbaren dokumentarischen Wert. Hier hält ein Zeitgenosse während über dreissig Jahren fast Tag für Tag die Ereignisse aus seinem näheren und weiteren Umfeld fest und reflektiert sie. Dabei lässt er sehr viele persönliche Einschätzungen und kritische Urteile einfliessen. Der Wert der Chronik liegt einerseits in der thematischen Breite und andererseits in der Regelmässigkeit der Einträge über einen Zeitraum, der das «Zeitalter der Weltkriege» und die Zwischenkriegszeit vollständig abdeckt. Entstanden ist damit ein ausserordentlich wertvolles Zeugnis zur Mentalitäts- und Alltagsgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bisherige Auswertungen der Quelle

In Anbetracht der inhaltlichen Breite der Chronik und ihrer kulturhistorischen Bedeutung sowie der allmählich auftretenden Zerfallserscheinungen war für die Verantwortlichen klar, dass das ganze Werk digitalisiert und danach transkribiert werden sollte. Leider ist die Schrift von Edmund Müller-Dolder sehr schlecht lesbar. Bis jetzt wurden die ersten acht Bände von Karl Büchler transkribiert, also die Einträge vom 1. Mai 1914 bis 22. April 1920. Schrittweise wird auch die Digitalisierung vorangetrieben.
Im Hinblick auf das Gedenken an den Ersten Weltkrieg haben wir im Haus zum Dolder die Chronikeinträge zum Kriegsgeschehen ausgewertet, mit einer 20-teiligen Serie von Zeitungsbeiträgen, mit einer Plakatausstellung und einem Vortrag an der «Münsterer Tagung 2015».
Weitere Auswertungen in den Publikationen «Uffert. 500 Jahre Auffahrtsumritt Beromünster» 2009 und «Zum frommen Andenken. Leidhelgeli und Sterbebildchen in der Sammlung Dr. Edmund Müller» 2011.

Publikation als Open Data

Um die wertvolle Quelle der Forschung zur Verfügung zu stellen, planen wir eine Publikation der Digitalisate als Open Data. Diese sollen unter anderem als Grundlage dienen für die Fortführung der Transkribierung durch weitere Mitarbeitende und eventuell durch Crowdsourcing, zum Beispiel bei Wikisource.