Sägen macht durstig

Lesen Sie hier, was ein Exil-Luzerner in seinem Blog über die Museumsnacht 2007 geschrieben hat.


Eine kulturelle Zeitreise mit Tiefgang

Klaus Tepper, Anzeiger für das Michelsamt, 21. September 2007

Nach dem Erfolg vor zwei Jahren übertraf die «Regionale Museumsnacht» vom vergangenen Freitag selbst die optimistischsten Einschätzungen. 12 Museen aus dem oberen Wynental und dem Michelsamt gaben Einblick in eine kulturelle Dichte, die keineswegs selbstverständlich ist. Ein kulturelles Erlebnis aber auch, in dem sich die unterschiedlichsten Themenbereiche der Bevölkerung in einer abendlichen Begegnung auf eine zwanglose Art erschlossen

Hochbetrieb herrschte schon am frühen Abend im Beromünsterer Dolderhaus, wo die Sonderausstellung «gewohnt. Möbel in der Sammlung Dr. Edmund Müller» genauso faszinierte wie die ausgestellten Exponate aus dem Beromünsterer Antiquariat Daniel Good.

Eine tragische Legende
Im Schloss-Museum Beromünster, in der sich bekanntlich die älteste Buchdruckerei der Schweiz befindet, erzählt eine reiche Sammlung von Sitten und Gebräuchen in Stifts- und Bürgerhäusern von anno dazumal und vom Agnus Dei bis zum Zylinderhut. Konservator Matthias Estermanns Führungen schilderten auf unkonventionelle Art eine Zeitreise in die Vergangenheit, über die gerade in Beromünster viel zu sehen ist. Zu jeder vollen Stunde aber inszenierten Ludwig Suter als Galgenvogel Martin Frey und Konservator Matthias Estermann ein lebendiges Stück Geschichte um einen bemitleidenswerten Handwerker, der in Beromünster einerzeit verurteilt und in die Verbannung nach Mailand geschickt wurde, um nach seiner Rückkehr im Beromünsterer Flecken an den Pranger gestellt und schliesslich hingerichtet zu werden. Eine überzeugende Darstellung hochinteressanter Geschichte.
Das Stift St. Michael in Beromünster hatte seine Kapitelstube für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Versammlungsort der Chorherren mit dem bemalten Ofen von 1735 und zahlreichen Papstbildnissen ist sonst nicht zugänglich. Kostbare alte und illustrierte Drucke waren im Lesesaal der Stiftsbibliothek in der Propstei zu sehen.
Das Rickenbacher Kulturforum zeigte erstmals wieder die Kreuzwegbilder von Jakob Huwyler. 50 Jahre lang waren die vom Rickenbacher Künstler geschaffenen Werke aus der alten Kirche verschollen. Huwyler malte im Nazarener Stil, der als Erneuerung der Malkunst galt und aus dem sich später die typischen Kitschbilder der Pilgermärkte entwickelten.

Abwechslungsreiche Rundfahrt
Im Dorfmuseum Gontenschwil unterstrich Dr. Andreas Müller mit den Lesungen aus seinem Buch «Achilles Zschokke – der Sohn des Dichters» die Bedeutung des bedeutenden Gontenschwilers. Im obersten Stockwerk war die «Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens» auf vielen Exponaten zu sehen.
In der Galerie Schlössli in Gontenschwil findet gegenwärtig eine Ausstellung mit Bildern von Ruth und Werner Wälchli aus Brittnau statt, die mit Stillleben und Landschaften den Betrachter verzaubern. Die in Teufenthal lebende Schriftstellerin Brigitte Fuchs las anlässlich der Museumsnacht Geschichten aus ihrem Heimatdorf Widnau im St. Galler Rheintal, die in der Zeit zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Menschen prägten.
Im Reinacher Museum Schneggli erwartete eine faszinierende Fotoausstellung die nächtlichen Gäste, denen sich eine Zeitreise in die Welt der Fotografie von unglaublich schönen alten Fotoalben bis in die digitale Welt erschloss. Dazu konnte man bei jedem vollen Glockenschlag im Dachgeschoss bei der Regionalen Volkshochschule Wynental mit Judith Wyttenbach in die Welt der Märchen eintauchen.
Die 1801 erbaute Sagi der Gemeinde Menziken steht seit 1985 unter kantonalem Denkmalschutz. Das Schausägen lockte in der Museumsnacht zahlreiche Besucherinnen und Besucher an, die sich gleichzeitig auch über die 1982 gegründete Vereinigung Sagi Menziken näher informieren konnten.
Im Tabak- und Zigarrenmuseum Menziken war zu erleben, wie die legendären «Original-Krummen» gezöpfelt werden. Die Kurzführungen «Vom Tabakblatt zur Zigarre» fanden grosses Interesse. Hier wird die Geschichte der Tabak- und Zigarrenindustrie im oberen Wynental anhand zahlreicher Objekte erklärt. Im vor kurzem eröffneten Reinacher Eventlokal «glashaus» war neben der freien Besichtigung der Fantasy-Kultfilm «Nachts im Museum» zu sehen.